Nehmen Sie uns Eltern als Experten unserer Kinder ernst!

Wir Eltern von behinderten Kindern sind sicher nicht immer die unkompliziertesten Eltern. Aber was uns eint, ist die Sorge um und der Wunsch nach einer bestmöglichen Schulausbildung für unsere Kinder.

Ich persönlich habe in den nun fast vergangenen vier Grundschuljahren meiner Tochter (Trisomie 21) erleben müssen, dass ich oft nicht angehört wurde, dass meinem Bedürfnis nach notwendiger zusätzlicher und direkter Kommunikation oft nicht nachgekommen wurde. Und damit meine ich nicht vorrangig die direkte Kommunikation mit der Klassenlehrerin. Diese Kommunikation funktioniert hervorragend, nein, ich meine in unserem Fall die Kommunikation mit der Schulleitung, die uns gern mit gezuckten Schultern und hilflos erhobenen Händen an die Schulbehörde verweist. Und ich meine die Kommunikation mit der Schulbehörde, die oft geprägt ist durch Verzögerung und durch Hinhalten. Ich möchte aber auch hinzufügen, dass es auch in der Schulbehörde zum Glück Ausnahmen gibt.

Niemand kennt unsere Kinder so gut wie wir Eltern und niemand hat ein solch tiefgreifendes Interesse an einer bestmöglichen Entwicklung des Kindes wie wir Eltern.

Wir Eltern sind die besten Experten, wenn es um unsere Kinder geht. Aber wir laufen regelmäßig teils gegen real vorhandene, teils aber auch gegen unsichtbare Wände. Und dies sogar, wenn wir einfach nur grundlegende Ansprüche unserer Kinder einfordern. Oft werden wir ignoriert oder als undankbar oder sogar als unverschämt dargestellt.

Liebe/r Schulsenator/in in spe,
wir erwarten von Ihnen, dass Sie zuhören können und dass Sie die Sorgen und Nöte von Eltern von Kindern mit Behinderungen überhaupt verstehen, um diese ernst nehmen zu können.

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie die Arbeit der vielen hervorragenden Pädagogen an den Schulen anerkennen und wertschätzen. Wir brauchen an den Schulen ein Klima, in dem es Spaß macht, gemeinsam zu lernen sowie eine Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Achtung.

Wir erwarten, dass Vielfalt nicht als etwas Behinderndes dargestellt wird, sondern als Bereicherung empfunden wird.

Wir erwarten von Ihnen, dass wir Eltern als Experten in Entwicklungen und Entscheidungen einbezogen werden.

Wir fordern echte Wahlfreiheit!

Unsere Tochter (Trisomie 21) besucht derzeit die vierte Klasse einer Hamburger Integrationsgrundschule. Wir bedauern sehr, dass das Hamburger Integrationsmodell einfach abgeschafft und nicht, wie vor der letzten Wahl versprochen, weiterentwickelt worden ist.

Für uns steht jetzt die Entscheidung an, auf welche weiterführende Schule unsere Tochter ab dem kommenden Schuljahr gehen wird.

Was uns auf allen weiterführenden Regelschulen erwartet, ist eine schlechtere Grundausstattung als noch vor vier Jahren. Dies sehen wir mit großer Sorge. Während vor vier Jahren noch drei behinderte Kinder in einer Klasse genügten, um eine Doppelbesetzung zu erreichen, reicht das zugewiesene pauschale Stundenkontingent, das unabhängig von der Beeinträchtigung dem einzelnen Kind heute zugewiesen wird, nicht einmal mehr bei vier Kindern in einer Klasse aus, um die frühere Doppelbesetzung zu erzielen. Und dann – was passiert in der restlichen Zeit? Die restliche Zeit wird aufgefangen, durch unqualifizierte und unerfahrene, aber günstige FSJ-ler als Schulbegleitungen.

Verstehen Sie das unter einer qualitativ hochwertigen Schulausstattung?

Liebe/r Schulsenator/in in spe,
wir erwarten von Ihnen die Schaffung einer echten WAHLFREIHEIT auf der Grundlage vergleichbarer und qualitativ hochwertiger Angebote!

Wir erwarten von Ihnen einen Plan zur Schaffung einer vergleichbaren Ausstattung mit Förder- und Therapieangeboten beim gemeinsamen Lernen an Regel- und an Sonderschulen!

Wir erwarten die Umsetzung der Versprechungen aus der Broschüre „Den richtigen Weg wählen – Hamburgs weiterführende Schulen / Schuljahr 2014/15“, in der es heißt: „Inklusive Bildung bedeutet, dass mit den Stärken, Talenten und Kompetenzen, aber auch mit den Schwierigkeiten und Problemen von Schülerinnen und Schülern so umgegangen wird, dass individuelle Entwicklungsprozesse auf verschiedenen Stufen mit unterschiedlicher Intensität und Unterstützung ermöglicht werden. In multiprofessionellen Teams arbeiten deshalb Lehrerinnen und Lehrer, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie weitere pädagogisch-therapeutische Fachkräfte zusammen.“

Setzen Sie das in die Realität um, was Sie in dieser Broschüre versprechen.

Und vor allem, halten Sie sich an Ihre vor der Wahl gegebenen Versprechen!

Schulbegleitung nicht alle halbe Jahr in Frage stellen und langfristig bewilligen!

Unser Sohn bekam schon relativ bald nach der Geburt eine Entwicklungsverzögerung attestiert und uns wurde geraten, ihn dem Jugendpsychiatrischen Dienst vorzustellen. Dieser schrieb ein Gutachten. Dadurch bekam der Kindergarten zusätzliche Gelder und unser Sohn bekam im Kindergarten eine adäquate Betreuung durch Heilerzieherinnen und Therapien von Ergo- und Physiotherapeuten. Dieses Gutachten wurde einmal jährlich überprüft und die Förderung dem Entwicklungsstand unseres Sohnes angepasst.

Dann kam unser Sohn in die Schule. Natürlich hatte er weiterhin einen Förderbedarf und allen war klar, dass er nicht ohne Schulbegleitung zur Schule gehen konnte. Aber wir hatten keine Diagnose für die Entwicklungsverzögerung und ohne Diagnose war es sehr schwer, einen Schulbegleiter zu bekommen. Die Schule begann also ohne Schulbegleiter.

Es lief nicht gut, es lief immer schlechter. Unser Sohn kam nicht zurecht mit so vielen anderen Kindern auf so engem Raum mit so wenigen Ausweichmöglichkeiten. Viele Tränen zuhause, immer wieder die Worte „ich will da nicht hin“, in der Schule immer wieder „ich gehe jetzt nach Hause“. Es gipfelte im ersten Gewalteintrag in der Schülerakte, ein Mädchen war von unserem Sohn gewürgt worden.

Nach drei Monaten Schulzeit bekamen wir endlich eine Diagnose: Asperger Autist. Nach zähem Ringen mit den Behörden bekamen wir einen halben Schulbegleiter und zwar einen jungen Mann, der gerade aus der Schule kam und ein Freiwilliges Soziales Jahr machte. Geteilt mit einem anderen Kind in der Klasse, welches eine Spastik hat. Der FSJler zerriss sich zwischen zwei Kindern, die verschiedener nicht sein könnten.

Wir starteten den Kampf um einen ganzen Schulbegleiter. Es kostete uns viele Nerven und unzählige Anrufe, Gespräche. Kurz vor Ende der Sommerferien bekamen wir die Zusage, einen Schulbegleiter für 30 Stunden pro Woche (unser Sohn geht 35 Stunden pro Woche zur Schule) zu bekommen. Aber dem ReBBz fehlten geeignete Schulbegleiter. Wir wurden gebeten, privat mit zu suchen und hatten Glück im eigenen Freundeskreis.  Unsere Freundin bewarb sich und wurde nach einigen Schwierigkeiten genommen. Wir sind froh. Doch die Bezahlung lief nicht. Wir finanzierten unsere Schulbegleiterin, einen Monat, zwei Monate und immer noch kein Geld von der Behörde. Dann, kurz vor Weihnachten, schien alles gut zu sein. Kind glücklich, Eltern glücklich, Lehrer glücklich und auch die Schulbegleiterin glücklich. Sollte man meinen – doch genau da stand das erste Bilanzierungsgespräch an. Es sollte Bilanz gezogen werden, wie die Schulbegleitung läuft.

Eine Dame vom ReBBz kam und setzte sich mit der Lehrerin, Sonderpädagogin, der Schulbegleiterin und den Eltern zusammen, zuvor hatte sie unseren Sohn einige Stunden in der Schule besucht. Sie schrieb einen Bericht auf dessen Grundlage die Behörde neu entscheidet, ob unser Sohn eine Schulbegleiterin im Umfang von 30 Stunden wirklich benötigt. Die Unsicherheit dauerte bis Ende Januar; da kam der Brief, dass zunächst erst einmal alles so bleibt, wie es ist. Bis zum nächsten Bilanzierungsgespräch, im April 2015. Dies bedeutet eine Unsicherheit für das Kind, eine Unsicherheit für die Eltern und, nicht zu vergessen, eine enorme Unsicherheit für die Schulbegleiterin, deren Vertrag jedes Mal neu geschlossen wird und zum Ende der Bewilligung ebenfalls ausläuft. Wie soll man da ruhig schlafen können? Wie lernen? Wie sich seinen Lebensunterhalt verdienen? Wie in die Zukunft schauen?

Liebe/r Schulsenator/in in spe,
bitte geben Sie den betroffenen Kindern, den Eltern und den Schulbegleitern ein gewisses Maß an Sicherheit und Vertrauen. Verlängern Sie den Zeitraum zwischen den Bilanzierungsgesprächen und lassen Sie uns länger als ein halbes Jahr verschnaufen.

Kinder mit Körperbehinderungen wollen auch aufs Gymnasium

Mein Sohn ist ein plietscher Junge, wie man in Hamburg sagt. Er mag und kann auf ein Gymnasium wechseln, zumindest was die Noten und sein Verhalten angeht. Wir haben Glück und wohnen in Altona, einem offenen, engagierten Stadtteil innerhalb der zweitgrößten Stadt eines der reichsten und entwickelsten Länder der Erde. Nur das Tor zur Welt bleibt für mein Kind geschlossen. Die drei wohnortnahen Schulen wollen ihn nicht aufnehmen, denn er ist körperbehindert und braucht ein ebenerdiges Gebäude oder zumindest einen Aufzug. Die Schulen jedoch sind aus der Gründerzeit von 1895 und den 70er Jahren. Damals und bis heute hat niemand sich daran gedacht, barrierefrei zu bauen oder nachzurüsten.

Als gebürtige Hamburgerin bin ich davon ausgegangen, dass es ein Zufall ist, ein Versehen. Und muß feststellen, dahinter steht ein Konzept. Gymnasien sind innerhalb der Inklusion nicht vorgesehen. Ich telefoniere und spreche vor Ort mit vielen Gymnasialleitern, ReBBZ und den Ombudsleuten, man kann uns nicht helfen. Wir müssen also lange Schulwege in Kauf nehmen, will mein Sohn auf ein Gymnasium wechseln. 2 Stunden Hin- und Rückweg findet die Schulbehörde zumutbar und schlägt uns ein teilbarrierefreies Gymnasium hinter dem Flughafen vor. Der ungeliebte Fahrdienst soll es richten, aber wie schaut es mit dem Alltagsleben aus? Wie kann mein Kind über diese Distanzen soziale Kontakte pflegen? Gehört bei diesem Konzept ein Freunde-Shuttle dazu? Wie integriere ich die weiten Wege mit unserem Arbeits- und Familienleben und mit der Physiotherapie und dem Rehasport meines Kindes? Alle anderen Kinder aus der Grundschulklasse meines Sohnes dürfen wohnortnah zur Schule gehen, nur er nicht, ausgerechnet er nicht, möchte ich sagen. Wie passt dies in unser heutiges gesellschaftliches Verständnis?

Lieber Schulsenator-in-spe,
bitte öffnen Sie das Tor zur Welt auch nach Innen und ermöglichen eine echte, freie Schulwahl auch für Kinder mit Körperbehinderung. Schaffen Sie bitte eine Barrierefreiheit an ALLEN Schulen durch externe Aufzüge (und mit guten Wartungsverträgen), sanfte Rampen zum Selberfahren, selbstöffnende Türen, spezielle Toiletten und ein schulisches Umfeld, was bereit ist, dazu zu lernen. Falls nötig: Sanktionieren Sie Einrichtungen, die sich weigern, sich mit Inklusion zu beschäftigen. Setzen Sie konkrete Ziele, z.B. in jedem Bezirk drei barrierefreie Schulen pro Jahr. Fördern Sie Fortbildungen und Models-of-best-practise. Und danke, dass Sie dabei über Ihre Legislaturperiode hinaus denken – wir wollen doch Gesellschaft bilden oder etwa nicht?

 

PS: So sieht die Schwester die Schule für ihren Bruder:

Barrierefreie Schule für meinen Bruder

Barrierefreie Schule für meinen Bruder

Inklusion kann ein Gewinn für alle sein, wenn…

Erfahrungsbericht einer Mutter von vier Kindern in Integrationsklassen

Unsere älteste Tochter kam vor 26 Jahren mit einem schweren Herzfehler auf die Welt. Nach zwei erfolgreichen Operationen in Kiel und London konnte jedoch eine geistige Behinderung aufgrund von zwischenzeitlich eingetretenem Sauerstoffmangel nicht ausgeschlossen werden. Als die Einschulung anstand, entschieden wir uns ganz bewusst für eine Integrationsklasse im Stadtteil, damit mögliche Defizite sicher erkannt werden konnten. Glücklicherweise waren da keine. Dennoch hat diese Integrationsklasse unser Verhältnis zur selbstverständlichen gemeinsamen Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder nachhaltig beeinflusst.

Wir durften erleben, dass in der Integrationsklasse allen Kindern die Förderung und Forderung zu teil wurde, die jedes Kind brauchte. Das hieß schon damals binnendifferenziertes Lernen ohne Leistungsdruck, aber mit viel positiver Verstärkung. Das war aber auch eine Klasse, in der durchgängig eine Doppelbesetzung gewährleistet war. Die Lehrkräfte hatten ausreichend Zeit für jedes Kind. Jedes Kind wurde so angenommen, wie es war, und entsprechend seinen Bedürfnissen gefördert. Die Lehrkräfte waren nicht nur LehrerInnen für die SchülerInnen, sondern bezogen auch die Eltern mit ein. Sie weckten Verständnis für Kinder mit Förderbedarf emotionale/ soziale Entwicklung und erklärten ihr Vorgehen. Sie schulten die Kinder im Umgang mit einem Kind, das körperlich eingeschränkt war. Die Umschulung schwieriger Kinder stand nie zur Debatte.

Nach dieser Erfahrung schulten wir auch unsere anderen drei Kinder, bei denen nie ein Förderbedarf vermutet wurde, in eine Integrationsklasse ein. Unsere Kinder haben dennoch von diesem System nachhaltig profitiert. Sie haben schon in der Grundschule eine ganz außerordentliche soziale Kompetenz entwickelt und gleichzeitig ihre intellektuellen Fähigkeiten entwickeln können. Für sie ist Anderssein normal – im besten Sinne. Dafür bin ich dankbar. Voraussetzungen waren ausreichend Zeit für alle Kinder, gut ausgebildete Lehrkräfte und der Wille aller Beteiligten dieses Modell gelingen zu lassen.

Lieber Schulsenator in spe,
bitte sorgen Sie dafür, dass alle Kinder Inklusion so positiv erleben können, in dem sie die Rahmenbedingungen schaffen, die dafür notwendig sind:

  • Lehrkräfte, die ausreichend fortgebildet sind. Es kann nicht sein, dass Lehrkräfte ohne sonderpädagogische Unterstützung oder Ausbildung allein vor Klassen stehen.
  • der Wille zur Inklusion. Ich gebe Ihnen Recht, dass man den nicht verordnen kann, aber man kann ihn fördern, z. B. in dem man das System der Hospitationsschulen mit attraktiven Konditionen für alle Teilnehmer fortführt.
  • ausreichende Ressourcen. Auch wenn Haltung wichtig ist. Sie allein reicht nicht. Das System der Integrationsklassen und integrativen Regelklassen hat funktioniert. Das Verteilen der Ressourcen aus diesen Systemen nach Gießkannenprinzip hat die alten Systeme zerstört und reicht nicht, die neuen ordentlich auszustatten.

Inklusion ist teuer. Aber es lohnt sich. Nicht nur im Hinblick auf unsere Schulen, sondern auch im Hinblick auf unsere Gesellschaft. Wie sagt man immer so schön: Auf den Anfang kommt es an! Und der muss gut sein. Sorgen Sie dafür mit einer Fortbildungsoffensive und durchgängigen Doppelbesetzungen in allen Klassen in Grund- und Stadtteilschulen.

Etablierte und erfolgreiche Unterstützungsangebote den reellen Schülerzahlen anpassen!

Elbschule – so heißt heute das Bildungszentrum Hören und Kommunikation. Sie ist aus der Fusion der Gehörlosen- und Hörgeschädigten-Schule entstanden und betreut inzwischen mehr Schüler in der Inklusion als im Bildungszentrum selbst. Aktuell sind es 250 hörgeschädigte Schüler an 100 Hamburger Schulen.

Ich schätze das Beratungs- und Unterstützungsangebot durch die Elbschule sehr. Sie ist für mich wesentliche Grundlage für gelingende Inklusion, denn an den Regelschulen fehlt das spezifische Wissen über den Umgang mit einer Hörschädigung – eine Behinderung, die nicht nur die Aufnahme von Lerninhalten, sondern auch zwischenmenschliche Kontakte erschwert.

Auf Inklusionsveranstaltungen wird gerne die Bedeutung der „subsidiären sonderpädagogischen Unterstützungszentren“ betont. Zuletzt beschrieb eine Behördenvertreterin am 12. Dezember 2014 auf einer Veranstaltung an der Hamburger Universität diese Aufgabe mit “beraten, unterstützen, diagnostizieren und Bildungs-, Erziehungs- und Beziehungsarbeit leisten”.

Auch der Schulsenator hat am 8. Januar 2015 auf der Podiumsdiskussion vom „Bündnis für Inklusion“ davon gesprochen, dass im Zuge der Inklusion die Ressourcen für die Unterstützungsleistungen der Bildungszentren deutlich erhöht wurden.

Da erstaunt doch die Tatsache, dass 90 der 250 Schüler und deren Eltern am Anfang dieses Schuljahres per Post darüber informiert wurden, dass die Elbschule sie aufgrund fehlender Ressourcen vorerst nicht mehr betreuen kann.

Über die Bedeutung des ambulanten Dienstes der Elbschule herrscht Konsens,  zwischen Politik und Schulbehörde wie auch Pädagogen. Es handelt sich nicht nur um ein etabliertes und erfolgreiches Modell, sondern es gibt auch einen rechtlichen Anspruch auf a.) Beratung und b.) Unterstützung (Drucksache 20/3641 „6. Regionale Bildungs- und Beratungszentren“ ).

Lieber Schulsenator in spe,
sorgen Sie dafür, dass die Ressourcen den reellen Schülerzahlen angepasst werden! Und bitte spielen Sie mit Aussagen wie „Das ist ja alles schwierig, denn da muss ja woanders etwas weggenommen werden.“ die Eltern nicht untereinander aus!

Lehrer und Erzieher müssen sich weiterbilden.

Die Erfahrungen – auch an den Hamburger Schwerpunktschulen – zeigen, dass es den dort unterrichtenden Lehrern und Erziehern oft an wichtigen Kompetenzen im Umgang mit geistig behinderten Schülern fehlt.

Der Lehrauftrag innerhalb der schulischen Inklusion kann aber nur dann erfolgreich funktionieren, wenn sich die Lehrkräfte gut auf die speziellen Bedürfnisse dieser und der lernbehinderten Kinder einstellen können sowie in der Lage sind, ihre Didaktik dem individuellen Leistungsvermögen anzupassen. Dieses Defizit können die zahlenmäßig nur einen Bruchteil ausmachenden Sonderpädagogen gar nicht ausgleichen; zumal sie auch nicht durchgängig in den Klassen sind.

Angebote zur Fort- bzw. Weiterbildung für Lehrer und Erzieher bestehen, zum Beispiel im Fachbereich Behindertenpädagogik der Universität Hamburg.

Liebe/r Schulsenator/in in spe,
im Schulalltag erleben wir immer wieder engagierte Lehrer und Erzieher, denen es bei allem Eifer leider an den nötigen Kompetenzen im Umgang mit geistig behinderten Schülern fehlt.

Wie wollen Sie gewährleisten, dass das Lehrpersonal die angebotenen Fort- und Weiterbildungen tatsächlich nutzt, um dadurch die Güte des inklusiven Schulunterrichts zu verbessern?

Wir brauchen mehr Gespräche!

Es ist wichtig, dass man miteinander redet. Und für das Gelingen von Inklusion ist es besonders wichtig.

Lernentwicklungsgespräche, in denen Eltern und das gesamte pädagogische Team, also Klassenlehrer/in, Sonderpädagoge/in und Erzieher/in, zusammenkommen, finden aber nur einmal im Schuljahr statt. Die gleiche Frequenz gilt für die Erläuterung des Förderplans, zu der sich Sonderpädagoge/in und Eltern treffen.

Natürlich findet darüber hinaus ein Austausch statt. Über Aktuelles informieren sich Eltern und Pädagogen auch spontan gegenseitig. Dafür reicht oft eine kurze Kommunikation zwischendurch, etwa wenn das Kind in die Schule gebracht oder abgeholt wird. Aber dies ist eben kein Ersatz für ein Gespräch, auf das sich alle vorbereiten, zu dem man in Ruhe zusammenkommt und an dem vielleicht sogar noch externe Therapeuten teilnehmen können. Weil es aber nur zwei dieser offiziellen  “Rede-Zeiten” pro Schuljahr gibt – und sogar nur eine, zu der sich alle treffen und in der es um alle Unterrichtsfächer geht, – wird auch viel Wichtiges zwischen “Tür und Angel” besprochen. Daraus ergeben sich oft schwierige Situationen, etwa weil andere Schülerinnen zwangsläufig mithören, oder es kommt in der Eile zu Missverständnissen.

Prinzipiell können Eltern die Pädagogen natürlich immer um einen gesonderten Termin bitten, wenn sie etwas in Ruhe bereden wollen. Aber auch dies ist etwas Anderes als ein Gespräch, das offiziell stattfinden muss. Außerdem ist es im Schulalltag schwer zu organisieren, wenn Eltern mit mehreren aus dem Team sprechen möchten. Es kann von den Pädagogen nicht verlangt werden, dass sie diese Gesprächstermine quasi in ihrer Freizeit unterbringen müssen, und von den Eltern nicht, dass sie als Kommunikationszentrale fungieren, weil eben nur selten wirklich alle zusammensitzen.

Manche Eltern berichten außerdem davon, dass überhaupt kein Gespräch zum Förderplan stattfindet, sondern dieser ihnen nur irgendwann kurz zur Unterschrift vor die Nase gehalten wird.

Liebe/r Schulsenator/in in spe, 
wie wollen Sie den Austausch zwischen Eltern und Pädagogen verbessern? Wie wäre es zum Beispiel mit einem weiteren Lernentwicklungsgespräch für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf, so dass dann eins pro Schulhalbjahr stattfindet? Und was wollen Sie dafür tun, dass die Eltern in die Förderplanung wirklich mit einbezogen werden?

 

 

Behinderte Kinder wollen Forderung, nicht nur Förderung!

Mein Sohn im Rollstuhl ist genervt von seiner Grundschule. Ständig wird er betüdelt. Betüdeln ist ein wunderbares Hamburger Wort und steht  für Umsorgen und Verwöhnen und zwar von „vorn bis hinten“. Betüdeln hat aber auch etwas übergriffiges, jemand versorgt einen, ohne, dass er groß etwas dagegen tun kann. Der Betüdelte ist einer gewissen Ohnmacht erlegen. Mein Sohn möchte nicht mehr betüdelt werden. Förderung kann er nicht leiden, anders als die anderen behandelt zu werden, ist das Letzte, was er möchte. Geschoben werden ist lästig, Fahrdienst erhalten ist doof und ebenso uncool wie Schulbegleitung auf Klassenfahrten, zugesperrtes Rolliklo, schwere Gangtüren, Sport- und Schwimmabzeichen, die ohne ihn stattfinden.

Sonderpädagogische Förderpläne umreißen nur das Grundthema eines inklusiv-beschulten Kindes. Was ich mir wünsche, sind Forderungen an die Kinder, Aufforderungen sozusagen. Förderung schaut auf ein Defizit, etwas, das fehlt, soll ergänzt werden. Forderungen geben Anreize, machen selbständig und stärken das Selbstwertgefühl. HERAUSForderung, dies ist etwas, was meinem Sohn an der Schule fehlt. Oft müssen Eltern solche “Zielsetzungen und Herausforderungen” gegen die Vorstellung von Lehrern durchsetzen, manchmal bekommen sie Rückhalt von externen Therapeuten, die das Kind und seine Behinderung individueller kennen.

Viele behinderte Kinder können viel mehr, als man ihnen zumutet. Pauschale Annahmen zu einem Kind werden stillschweigend auf ein anderes übertragen. Schubladendenken gibt es auch innerhalb der Fächer. Ein Kind, was in Mathe sehr weit zurückliegt, könnte in Sachkunde glänzen, wenn man es denn erkennen und zulassen würde. Kinder, die körperlich eingeschränkt sind, können sehr wohl ehrgeizig sein und an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen und bis auf das Blut für einen Sieg kämpfen. Kein Kind mag zugucken, alle wollen aktiv dabei sein. Auch behinderte Menschen langweilen sich, wenn sie nicht gefordert werden!!

Liebe/r Schulsenator/in in spe,
schaffen Sie Kommunikationswege, Fortbildungen, Personal, Räume, damit behinderte Menschen, gefordert und gefördert werden. Behinderte Kinder wollen individuell betrachtet werden, von Tag zu Tag, von Fach zu Fach, von Pausensituation zu Pausensituation, von Klassenreise zu Klassenreise. Sie sind dabei in ihren Alltagsgefühlen nicht anders als andere Kinder. Sie wollen lernen, kämpfen, spielen, klettern, toben und alles selbst machen. Fachunterricht, Sport- und Pausenbereiche müssen angepaßt werden, damit dies möglich wird.

Wir wünschen uns dazu viel mehr Austausch zwischen Kindern, Lehrern, Eltern, Therapeuten, pägogischen Einrichtungen und Behinderten-Verbänden.

Link zur Schulsport und Behinderung:
http://www.dbs-npc.de/sportentwicklung-breitensport-deutsches-sportabzeichen.html
http://www.drs.org/cms/projekte-aktionen/schulprojekte/hamburg.html